Ich bin momentan in Spanien vigo und habe letzte Nacht eine ziemlich absurde Erfahrung gemacht. Mich würde interessieren, was ihr von der ganzen Geschichte und vor allem von meinen Entscheidungen haltet.
Vielleicht noch etwas Hintergrund zu mir: Ich konsumiere seit einigen Jahren unregelmäßig auch härtere Drogen. Allerdings komme ich vom Land, wo ich mit den meisten Dealern eher auf freundschaftlicher Basis zu tun habe und die Leute meistens persönlich kenne.
Mit einer solchen offenen Drogenszene hatte ich bisher kaum Berührungspunkte. Ein heruntergekommenes Haus mit solchen Bewohnern kannte ich bisher nur aus Filmen.
Ich war der ganzen Situation gegenüber also durchaus misstrauisch und habe versucht, vorsichtig zu sein. Trotzdem hat mich meine Neugier dazu gebracht, mitzugehen.
Aber von Anfang an:
Am Montag war hier Feiertag. Da ich erst morgens um 8 Uhr ins Bett gegangen bin, habe ich ziemlich lange geschlafen. Meine Freunde waren in der Zwischenzeit am Strand.
Also habe ich mich mit ein paar Leuten getroffen, die ich hier kennengelernt habe. Wir haben Billard und Darts gespielt und einen entspannten Abend verbracht.
Gegen 1 Uhr nachts hatte ich alle zum Bus oder Uber gebracht und wollte eigentlich nach Hause.
Unterwegs fiel mir ein Obdachloser auf, der sich ziemlich merkwürdig bewegte und auf ungewöhnliche Weise durch irgendwelche Gitter kletterte. Da ich kein Spanisch spreche, fragte ich ihn per Handzeichen, ob bei ihm alles in Ordnung sei.
Daraufhin kam er zu mir und wir kamen ins Gespräch. Er konnte etwas Englisch und Deutsch, weil seine Tochter in Deutschland lebt und er selbst ein paar Jahre dort gewohnt hatte.
Wir rauchten zusammen zwei Joints und ich teilte meine Muffins mit ihm.
Irgendwann fragte ich ihn, was er sonst noch so an Drogen hätte und ob er jemanden kenne, der Opiate verkauft. Daraufhin meinte er, dass er jemanden kenne, bei dem ich Heroin bekommen könnte.
Anstatt einfach nach Hause zu gehen, entschied ich mich also, mit ihm mitzukommen.
Zuerst landeten wir in einer dunklen Seitenstraße, wo wir zusammen eine Pfeife Crack rauchten.
Danach liefen wir ziemlich planlos durch die Stadt. Er weckte unterwegs immer wieder andere Obdachlose auf, um mit ihnen zu reden, und schaute ständig in irgendwelche Verstecke. Dabei fand er unter anderem mehrere Zigaretten und eine angebrochene Flasche Schnaps.
Er wirkte auf mich auch psychisch ziemlich angeschlagen.
Irgendwann kamen wir an einem heruntergekommenen Haus an, in dem fünf Leute saßen. Ein junger Mann in meinem Alter, also um die 25 Jahre, schien dort das Sagen zu haben und konnte Englisch.
Allerdings stellte sich heraus, dass er auch nur Kokain verkaufte.
Ich kaufte eine kleine Menge. Da es ein fester Stein war und mein Begleiter vorher etwas Ähnliches geraucht hatte, vermutete ich, dass es Crack ist. Der Dealer konnte mir aber nicht wirklich sagen, was genau es war, außer dass es Kokain sei.
Und jetzt kommt der eigentlich absurde Teil.
Kaum waren wir aus der Tür, wurde der Obdachlose plötzlich aggressiv. Ich hatte den deutlichen Eindruck, dass er an das Zeug wollte, das ich gerade gekauft hatte.
Als ich Anstalten machte, mich zu verabschieden und zu gehen, kam er mit erhobenen Händen auf mich zu.
Ich schubste ihn zunächst weg, aber er kam erneut aggressiv auf mich zu. Daraufhin schlug ich ihm einmal ins Gesicht.
Er fiel zu Boden, stand aber sofort wieder auf und wollte erneut auf mich losgehen.
Dazu muss ich sagen, dass er mir körperlich deutlich unterlegen war. Ich hatte deshalb nicht das Gefühl, dass er mich im direkten Kampf ernsthaft gefährden könnte. Trotzdem blieb die Situation unberechenbar, zumal ich nicht wusste, ob er möglicherweise eine Waffe bei sich hatte.
Zum Glück kamen in dem Moment die Dealer aus dem Haus, hielten ihn fest und verhinderten, dass die Situation weiter eskalierte.
Ich bedankte mich mehrfach bei ihnen.
Bevor ich ging, fragte mich der Dealer noch, ob und wann ich denn wiederkommen würde. Ich antwortete ihm, dass ich vielleicht in ein paar Wochen wieder vorbeischauen würde.
Daraufhin veränderte sich seine Stimmung irgendwie. Er wirkte plötzlich ziemlich traurig und nachdenklich und fing an, mir eine ernste Predigt zu halten.
Er erklärte mir, dass ich niemandem einfach vertrauen könne und wie gefährlich es sei, mit irgendwelchen Fremden durch die Stadt zu ziehen.
Außerdem sagte er, dass er es richtig scheiße findet, dass ich solche Drogen überhaupt konsumieren will. Menschen würden dadurch irgendwann so enden wie der Obdachlose.
Was mich besonders überrascht hat: Er wirkte dabei wirklich traurig und nachdenklich. Nicht so, als würde er einfach irgendeinen Spruch ablassen.
Im Nachhinein frage ich mich, ob meine Antwort, dass ich erst in ein paar Wochen wiederkommen würde, etwas damit zu tun hatte.
Vielleicht hat er schon oft genug erlebt, wie Leute glauben, ihren Konsum unter Kontrolle zu haben, und dann viel schneller wieder vor seiner Tür stehen, als sie ursprünglich vorhatten.
Möglicherweise hat er mir einfach nicht geglaubt, dass ich tatsächlich erst in ein paar Wochen wiederkommen würde. Das ist natürlich nur meine Interpretation, aber sein Gesichtsausdruck ist mir irgendwie im Gedächtnis geblieben.
Da stand also ein Typ, der mir gerade Crack verkauft hat und mich vor einem aggressiven Mann geschützt hatte, und erklärte mir, warum ich die Finger von Drogen lassen sollte.
Auf dem Heimweg hatte ich keine wirkliche Angst, habe mich aber natürlich trotzdem mehrfach vergewissert, dass mir niemand folgt.
Um 3:20 Uhr war ich schließlich zu Hause und um 6 Uhr musste ich schon wieder aufstehen, um zu arbeiten.
Obwohl ich heute also nicht einmal drei Stunden Schlaf hatte, habe ich meinen Arbeitstag irgendwie überstanden.
Und das vielleicht Interessanteste an der ganzen Sache: Das Zeug, das ich gestern gekauft habe, habe ich bis jetzt nicht angerührt.
Mir ist durchaus bewusst, dass ich mich in dieser Nacht mehrfach ziemlich leichtsinnig verhalten habe. Trotzdem finde ich die ganze Begegnung und insbesondere die Reaktion des Dealers extrem interessant.
Mich würde eure ehrliche Meinung interessieren:
- Wie verantwortungslos findet ihr mein Verhalten?
- Was haltet ihr von einem Dealer, der selbst Drogen verkauft, aber gleichzeitig seine Kunden davor warnt? (Wobei ich offensichtlich nicht in das Milieu hineingepasst habe.)
- Glaubt ihr, dass er aufgrund seiner Erfahrungen tatsächlich erwartet hat, dass ich viel früher wiederkommen würde, als ich behauptet habe?
Bin gespannt auf eure Einschätzungen.