Hallo liebe Dresdnerinnen und Dresdner,
ich (m, 37 J., gebürtig aus dem Ruhrpott, leider hör ich mich auch ein bisschen so an, manche finden das tatsächlich ulkig) habe mich vor einiger Zeit durch einen sehr netten Menschen in eure Stadt verliebt. Den Menschen gibt es zwar nicht mehr, aber in der vielen Zeit, als ich ihn besucht habe, habe ich Dinge gesehen, von denen man hierzulande nur träumen kann und die mich schon fast glauben haben lassen, dass ich es auch tue.
Für jemanden, der sich für Kunst, Literatur und wirklich schöne Architektur interessiert gibt es hier bei uns eben... so fast gar nichts. In manchen Städten verkaufen sie uns schimmliges Brot als Kunst – das ist leider komplett gottloser Absturz. Obschon hier so ziemlich alles plattgemacht wurde (wie bei euch), so hat man es hier auf gar keinen Fall auch nur ansatzweise so schön wie ihr, sage ich wie es ist. Das was ihr an fantastischer, wirklich atemberaubender barocker Kunst und pittoresker Landschaft habt, haben wir an maroden Schornsteinen, zerfallenden Industrieruinen, kollabierender Hoffnung und niemals endender Arbeitslosigkeit. Und genau aus diesem Grund würde ich gerne die zweite Hälfte meines Lebens in eurer wunderschönen Stadt verbringen und muss nun herausfinden, wie ich einen Fuß an die Erde bekomme – sozial, meine ich damit.
Ich weiß, dass wir im Ruhrpott von der Mentalität anders sind – immerhin kommt von uns ja gerne mal das Bild eines Atzen in Feinribunterhemd und Jako-Trainingsjacke rüber, der sich gerade nen Taxiteller ins Gesicht schraubt (leider geil, hab ich in Dresden auch noch nicht gefunden), aber wir sind eben nicht alle so. Und auch wenn ich es im Pott von den Menschen und ihrer schonungslosen Ehrlichkeit schon mag, und ich es manchmal sehr schwierig finde Sächsisch zu verstehen: gute Menschen gibt es überall, und wenn man sucht, dann wird man sie schon finden. Abgesehen davon würde ich langsam wirklich gerne meine alte Heimat hinter mir lassen bevor der Tag kommt an dem ich es nicht mehr kann und mich darüber ärgere, es nicht getan zu haben.
Es ist zwar so, dass ich einige Hobbies habe, die mich Anschluss finden lassen könnten, auch wenn ich niemanden (mehr) bei euch kenne, aber... vielleicht mag ja jemand Kontakt mit mir aufnehmen, der / die Bücherrunden oder -läden oder Museen gerne besucht oder Gesellschaftsspiele spielt? Bis ich nach Dresden ziehe (setze gerade alles in Bewegung) wird noch einige Zeit herumgehen, aber ich werde auch noch öfter mal vorbeischauen, bevor das geschieht. (Maximal ein Mal pro Monat.) Und wenn jemand Lust hätte zu hören wie ich mich darüber aufrege, dass einige Leute am Blitz geleckt haben, dann wäre ich sehr froh. Ich werde einige Menschen hier hinter mir lassen und... es wäre schön, zumindest ein paar zu kennen, wenn ich dort bei euch ankomme.
Ich habe noch nie in meinem Leben so eine wundervolle deutsche Stadt gesehen wie die eure – und vielleicht kann ich ja auch etwas dazu beisteuern, dass sie noch ein bisschen schöner wird, wenn ich euch mit meiner Ruhrpottschnauze zum Lachen bringe.
Liebe geht raus!