Wenn ich im Spar oder einem anderen Laden an der Fleischtheke entlanggehe (also: stets vorbeigehe, denn ich kaufe dort nie etwas), dann mag ich die Menschen nicht nur nicht: Dann sind sie mir zuwider. Sie sind mir zuwider, weil sie dort das billige Fleisch kaufen, ohne darüber nachzudenken, wie es in die Theke gelangte. Sie denken, dort, wo ich wohne, nicht darüber nach, daß unweit, in Weißenfels, das Grauen einen seiner Orte erobert hat und sich dort austobt. Tag für Tag und alle Nächte hindurch ist an diesem Ort buchstäblich die Hölle los, und dennoch läuft es geräuschlos und außerhalb unserer Wahrnehmung ab.
Es ist unerheblich, ob es tausend, fünftausend oder zwanzigtausend Schweine sind, die dort an einem einzigen Tag angeliefert und in Reih und Glied auf die Schlachtbank geführt werden. Diese Tiere haben ihr Leben jedenfalls in abartiger Enge verbracht. ohne Suhle, ohne Sonne, vollgepumpt mit Mastfutter und Medikamenten. Sie riechen auf dem einzigen Gang ihres Lebens das Blut, den Tod, das Unausweichliche, und sie lebten nur, um unsere Fleisch-Theken zu füllen.
Und wie diesen Schweinen geht es auch den Hühnern und den Kälbern und ihren Müttern, den Kühen, die, nachdem man ihnen in Ställen ohne Klee und Dotterblume den letzten Liter abgezapft hat, in den Laufgang gedroschen werden, der nur noch und ohne Ausweg auf den Bolzen und auf die Sägen zuführt, die das taxierte Fleisch fürs Spar-Regal portionieren.