r/luftablassen • u/Electrical_Region741 • 29d ago
zum Kotzen NEIN, Ich habe keine Lust, mein Kind aus "Solidaritätsgründen" Integrations- und Deutschsprachhelfer zu opfern, weil Staat UND Eltern versagen
Edit: es fehlt ein "Als", in der Überschrift. Nur für den Fall, dass einige meinen darauf rumreiten zu müssen.
In unserem Einzugsgebiet gibt es mehrere Schulen, an denen Deutsch für einen sehr großen Teil der Kinder Zweitsprache ist. Und die strukturellen Probleme, die daraus entstehen, sieht man dort ziemlich deutlich.
Was mich dabei besonders ankotzt: Die größte Verantwortung sehe ich nicht einmal bei den Kindern oder beim Staat, sondern bei den Eltern. Eltern sind in erster Linie für ihre eigenen Kinder - und der Integration im fremden Land - verantwortlich. Wenn man die Möglichkeiten nicht wahrnimmt, aus welchem Grund auch immer. Pech. Man bleibt lieber unter sich weil es der Weg des geringsten Widerstandes ist? Pech. Verbaut so euren Kindern die Zukunft.
Wer sein Kind schon im Kindergartenalter nicht vernünftig an die deutsche Sprache heranführt, wer den Kindergarten teilweise sogar überspringt oder ernsthaft erwartet, dass die Schule anschließend sämtliche Versäumnisse der vergangenen Jahre kompensiert, schiebt die Verantwortung auf die Allgemeinheit. Und am Ende trifft es zwangsläufig auch die anderen Kinder.
Denn die Ressourcen einer Schule sind nun einmal begrenzt. Lehrer können nicht gleichzeitig 25 Kindern regulären Unterricht geben und einen erheblichen Teil der Klasse auf ein sprachliches Niveau bringen, das eigentlich längst vorhanden sein sollte.
Mein Kind soll nicht mehrere Jahre seiner f\cking Schulzeit damit verbringen, die sprachlichen Defizite anderer Kinder auszugleichen!!!!*
Ich möchte nicht, dass seine Entwicklung langsamer vorangeht, weil ein erheblicher Teil der Unterrichtszeit dafür draufgeht, grundlegende Sprachkenntnisse zu vermitteln, die eigentlich vor oder spätestens mit Schuleintritt hätten vorhanden sein müssen.
Und nein, ich finde es nicht meine Aufgabe, dieses strukturelle Problem dadurch zu lösen, dass ich meinem eigenen Kind schlechtere Bedingungen zumute.
Ich habe darüber inzwischen auch mit anderen Eltern gesprochen: Mein Verhalten sei egoistisch, weil andere Familien diese Möglichkeiten nicht hätten und ich damit möglicherweise anderen Kindern eine bessere Zukunft nehme. - Ja und? Dann ist mein Verhalten halt egoistisch. Soll ich mein eigenes Kind ins offene Messer laufen lasse, damit die gesellschaftliche Gesamtbilanz moralisch sauber aussieht?
Sorry, aber nein.
Natürlich hat nicht jedes Kind dieselben Möglichkeiten. Natürlich können sich nicht alle Eltern aussuchen, in welchem Einzugsgebiet sie wohnen. Und natürlich kann ein Kind nichts dafür, wenn seine Eltern sich nicht ausreichend um seine Sprachentwicklung kümmern.
Aber daraus folgt für mich nicht, dass ich deshalb freiwillig auf die bestmöglichen Rahmenbedingungen für mein eigenes Kind verzichten muss.
Ich habe sogar schon von Leuten gelesen bzw. im Bekanntenkreis gehört, die für die Schuleinschreibung vorübergehend in ein anderes Einzugsgebiet gezogen sind und danach wieder zurück. Und da aufgrund von Kosteneinsparungen bei uns inzwischen mehrere Schulbezirke zusammengelegt wurden, ist die Situation für mich ziemlich eindeutig: Meine Mutter wohnt rund 1,5 km entfernt, direkt an der Grenze zu einem deutlich besser situierten Viertel. Dort liegt zudem eine der besten Grundschulen und später auch eines der besten Gymnasien im Landkreis.
Wenn es möglich ist, mein Kind dort einschulen zu lassen, werde ich das tun. Ohne schlechtes Gewissen.
Nicht, weil ich anderen Kindern etwas wegnehmen will.
Sondern weil ich verdammt noch mal dafür verantwortlich bin, meinem eigenen Kind die bestmöglichen Startbedingungen zu geben.
Und bevor jetzt wieder reflexartig „Rassist!“ gerufen wird:
Nein. Ich bin nur realistisch und realisiere, dass massive sprachliche Unterschiede innerhalb einer Schulklasse reale Auswirkungen auf den Unterricht haben können. Das ist keine rassistische Theorie, sondern eine ziemlich banale Feststellung. Wenn mein Kind in einer Klasse sitzt, in der ein großer Teil der Schüler kaum Deutsch spricht, dann kann das (und wird in den allermeisten Fällen) Auswirkungen auf Lerntempo, Unterrichtsqualität und die Aufmerksamkeit der Lehrkräfte haben. Und wenn ich eine realistische Möglichkeit habe, mein Kind stattdessen auf eine Schule zu schicken, an der diese Probleme deutlich geringer sind, soll ich ernsthaft darauf verzichten, weil irgendjemand das moralisch „egoistisch“ findet?
Was genau ist eigentlich die Erwartung? Dass Eltern, die sich Gedanken machen, die Konsequenzen tragen und ihrem Kind bessere Voraussetzungen ermöglichen könnten, bewusst darauf verzichten, damit sie gemeinsam mit allen anderen die Folgen eines politischen und gesellschaftlichen Versagens auffangen?
Nein. Ich bin nicht zuständig für...
... die Reparatur des Bildungssystems.
... die Integrationspolitik.
... Wahrung der "Chancengleichheit".
... die Versäumnisse anderer Eltern.
Und ganz sicher nicht dafür, das eigene Kind schlechterzustellen, damit sich andere mit der Situation besser fühlen.
Wenn andere das anders handhaben wollen: Bitte. Macht das mit euren Kindern, wenn ihr dadurch besser schlafen könnt. Ich werde meinem Kind jedenfalls nicht erklären, dass es seine Bildungschancen opfern muss, damit die Erwachsenen um es herum ihre Probleme nicht lösen müssen.