r/germantrans • u/reYal_DEV • 2h ago
Erfahrungsbericht Positive/Out-n-proud trotz "möglichen Passing" - wo seid ihr?
Moini in die Runde!
Ich wollte mal fragen ob es hier noch mehr trans Menschis gibt, die trotz der Möglichkeit zu passen bewusst damit umgehen ihre Transidentität nicht zu verstecken, sondern sie positiv, selbstbewusst und aus einer emanzipatorischen Perspektive zu leben.
Ich merke in letzter Zeit, dass ich zunehmend den Bezug zu manchen trans Spaces verliere, und sogar fast alle spaces verlassen habe. Nicht weil ich mich mit den Erfahrungen anderer trans Menschen nicht identifizieren könnte oder Dysphorie-Erfahrungen grundsätzlich nicht nachvollziehen kann. Mir fälltsr zunehmend schwer mich mit einem Mindset zu identifizieren, das stark von Selbstpathologisierung, Leidensdruck und einer oft sehr ausgeprägten Negativität rund um das eigene Transsein geprägt ist. Mit vielen Dysphorie-Posts kann ich mich mittlerweile einfach nicht mehr so gut identifizieren wie früher, und ich kanns einfach nicht mehr lesen "NIEMAND WILL TRANS SEIN!!!" - Ja gut, ich will nicht cis sein!
Das macht mich ehrlich gesagt ein bisschen traurig weil ich mir eigentlich wünsche, mich gerade in trans Spaces mit Menschen austauschen zu können die ähnliche Perspektiven und Werte teilen.
In meinem Freundeskreis sind mittlerweile überwiegend sapphische cis Frauen und nur noch vergleichsweise wenige trans Menschis, von denen manche auch stealth leben. Und ich kann absolut nachvollziehen warum sich Menschen dafür entscheiden. Ich möchte niemandem vorschreiben, wie offen die eigene Transidentität gelebt werden sollte.
Was mir allerdings zunehmend missfällt ist die gesellschaftliche Vorstellung dahinter, dass wir quasi dann am erfolgreichsten trans sind, wenn wir möglichst vollständig assimilieren, möglichst wenig auffallen und irgendwann unsichtbar werden. Als wäre das ultimative Ziel, dass niemand mehr weiß, dass wir trans sind und dass wir erst dann ein "normales" Leben führen können.
Ich möchte nicht das Gefühl haben, meine Transidentität überwinden oder hinter mir lassen zu müssen, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Ich möchte selbst bestimmen können, wie sichtbar ich bin ohne dass Unsichtbarkeit als das eigentliche Ideal gilt.
Für mich gehört dazu auch, Transsein nicht ausschließlich als etwas zu betrachten das mit Leid, Dysphorie und dem Wunsch nach möglichst wenig Auffälligkeit verbunden ist. Ich möchte meine Identität auch positiv leben können, und auch Sichtbarkeit bieten für künftige Generationen, denn ich hab las Kind genau diese Sichtbarkeit nicht gehabt!
Ich erlaube beispielsweise ausdrücklich dass mich meine Mitmenschis fremdouten dürfen, während ich aber die Wichitgkeit der Diskretion dabei nochmals aufkläre, und ich da eher die Ausnahme bin.
Trotzdem werde ich von manchen Freundinnen gefragt, warum ich das überhaupt noch "ausplaudere" wenn ich doch genauso gut einfach meine Ruhe haben könnte. Und genau diese Frage beschäftigt mich: Warum sollte ich meine Identität verbergen, nur weil ich es könnte? Warum wird Unsichtbarkeit so oft als die vernünftigere, erstrebenswertere oder gar erfolgreichere Option angesehen?
Ich merke auch, dass ich mich in lesbischen Spaces teilweise wohler fühle als in manchen trans Spaces, weil ich dort häufiger auf ein emanzipatorisches Selbstverständnis treffe, bei dem es nicht nur darum geht, irgendwie mit gesellschaftlichen Verhältnissen zurechtzukommen, sondern diese Verhältnisse auch aktiv infrage zu stellen. Gerade was Selbstakzeptanz und Sichtbarkeit angeht habe ich manchmal das Gefühl, dass wir in Teilen der trans Community noch mehrere Jahrezehnte hinterher sind. Ich würde mir wünschen, dass wir uns nicht nur fragen wie wir möglichst problemlos in bestehende gesellschaftliche Vorstellungen passen können, sondern auch wie wir diese Vorstellungen verändern können.
Ich wurde teilweise sogar von anderen trans Menschis dafür angegriffen, dass ich mein "Passing-Privileg mit Füßen treten" würde wofür andere "töten würden".
Ich verstehe, dass Passing für viele Menschen enorm wichtig ist . Ich möchte dieses Bedürfnis auch überhaupt nicht abwerten. Aber ich finde es schwierig, wenn daraus eine Art Verpflichtung abgeleitet wird, das eigene Passing möglichst konsequent zu nutzen und die eigene Transidentität lieber unsichtbar zu machen.
Passing ist für mich eine Möglichkeit, aber keine Pflicht.
Und da wollt ich einfach nochmal wissen, wo seid ihr, die ihr euer Transsein positiv, selbstbewusst und vielleicht auch ein bisschen "out-n-proud" lebt trotz Passing-Möglichkeit oder sogar gerade dann? Denn ich hab keine Lust das Gestalten wie "PersiaX" als Frontshcild dafür agiert.
Ich würde mich wirklich freuen, von Menschen zu hören, die sich in dieser Perspektive wiederfinden. Ich vermisse manchmal einfach den Austausch mit trans Menschis, die einen ähnlichen Zugang haben und mit denen ich über Transsein auch jenseits von Dysphorie, Passing und Leidensdruck sprechen kann.
Grüße